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Taschenlampen mit LED Technologie
Overview
Verfasser
Arne
Datum
07.11.2004
Test erstellt am : 12.12.2004


Taschenlampen im Rettungsdienst
Die Xenontechnologie

 

Egal, ob Holsterträger oder Jackentaschennutzer: 
Eine kleine, handliche Lampe findet sich wohl bei fast jeden Rettungsdienstmitarbeiter in der persönlichen Ausrüstung. Kein Wunder - auf den Fahrzeugen befinden sich meist große Handscheinwerfer vom Kaliber Halo 4 oder Halo 6. 
Niemand würde wohl ernsthaft auf die Idee kommen, diese Lampen zu einem "gewöhnlichen" Einsatz, wie einem nächtlichen internistischen Notfall, mitzunehmen- die Hände werden sowieso für die medizinische Ausrüstung gebraucht. Doch gerade immer, wenn man nicht damit rechnet, kommt man in die Verlegenheit, schnell Licht zu brauchen - und sei es in einem dunklen Hausflur. Klein sollen sie sein, hell und nicht zu teuer - die elementaren Anforderungen an die Helfer in der Dunkelheit. 
Deshalb "beleuchtet" dieser Artikel Vertreter aus dem gemäßigten Preissegment mit Xenon-Lichtmodulen.


MagLite 4D, fokussiert

Die Referenz - der Mythos 

Die MiniMag AA von MagLite Instruments ist wohl der bekannteste und häufigste Vertreter der kleinen, schnellen Lichtspender. Eine MiniMag ist meist sogar dabei, wenn man ein Gürtelholster "komplett gefüllt" kauft. Da als Leuchtmittel jedoch eine Kryptonbirne verwendet wird, erfüllt sie in Verbindung mit üblichen AA-Batterien nicht die Helligkeitswerte, die die Testprodukte vorweisen.
Daher wird die ebenso bekannte MagLite 4D - ebenfalls mit Kryptonleuchtmittel- zusätzlich als Referenz für 
Helligkeit und Ausleuchtungscharakteristik herangezogen.

Die MiniMag muss immer auf die richtige Entfernung fokussiert werden. Stellt man den Reflektor auf die Flutlichtposition, entsteht in der Mitte ein grosser dunkler Schatten und Objekte werden nicht mehr ausreichend beleuchtet. Auch bei frischen Batterien zeigt das Licht einen wahrnehmbaren gelblichen Ton. 
Um die Mitte sind einige Ringe zu erkennen.


MiniMag, Flutlicht
 

 

Die Wettbewerber

Abseits des Unternehmens Mag Instruments haben sich insbesondere auf dem Markt der Feuerwehr- sowie Exekutivlampen einige Alternativen hervortun können. 

Die bekanntesten sind die StealthLite und die SabreLite des Unternehmens Peli Products. Ebenso verbreitet sind die Vertreter der Lampenserie "4AA" von UK (Underwater Kinetics). Diese wurden zunächst als professionelle Tauchlampen konzipiert, fanden später jedoch Einzug in den Feuerwehrbereich. 

www.peli-lights.de

www.ph-import.com/x755/uk.htm


Die Firma Walther bzw. Umarex ist auf dem Taschenlampensektor nahezu unbekannt. Die Produkte orientieren sich stark an den extrem teuren SureFire-Lampen, sind jedoch weitaus günstiger. Am besten sind sie über diverse Outdoorshops (google hilft) oder über ebay zu beziehen.

 

 

Ein großer Vorteil dieser Feuerwehrlampen ist der sog. Ex(plosions)-Schutz. Dies bezieht sich nicht auf ein mögliches Explodieren der Lampe, sondern auf eine Zündung von explosiven Gasgemischen durch ein Bauteil dieser Lampen oder durch einen auftretenden Fehler innerhalb der Lampe. 
Hier ist auch der Mythos MagLite am Ende: da nicht ex-geschützt, dürfte sie nicht an einer gefährdeten Einsatzstelle mitgeführt werden. 
Eine Kurzinfo zum Ex - Schutz befindet sich im Anhang.

 

Vergleichstabelle

 MagLite 4D  Peli Stealth Lite   Peli Sabre Lite  UK 4AA Dive / Mini Q40  Walther Xenon 
 Länge x Breite (mm) 375 x 40 165 x 41 190 x 46 147 x 38 120 x 30,2
Lichtleistung Lumen 49 31,5 47,8 65 85
Lichtleistung Candela k.A. 10.000 12.000 k.A. k.A.
Brenndauer 9-10 h ca. 5 - 6 h ca. 5 - 6 h ca. 4,5 h ca. 50 - 60 Min.
Leuchtweite (ca.) 400 m 130 m 140 m 120 m 140 m
Ex - Schutz erhältl. Nein Ja Ja Ja Nein
Wasserdichtigkeit Spritzwasser 150 m Tauchtiefe 150 m Tauchtiefe 150 m Tauchtiefe Spritzwasser
Preisspanne 30-34 € 33 - 34 € 36-38 € 22 - 29 € 15 - 18 €

Bester Wert der Kategorie
Schlechtester Wert der Kategorie

 

 

UK 4AA Dive / Mini Q40

Aus den Reihen dieser Feuerwehrlampen kommt der erste Testkandidat - die Tauchversion der bekannten UK 4AA, die Mini Q 40 oder UK 4AA Dive. Markantester Unterschied ist das gerade Lampenende, was bei einer normalen UK 4AA leicht schräg verläuft.

Längenangaben in mm

Die UK 4AA D wird ebenfalls mit AA Mignon Batterien oder Akkus betrieben, jedoch sind vier Stück nötig. 

Als Leuchtmittel wird ein Xenon-Brenner verwendet, der die UK 4AA Lampen mit einem Lichtstrom von 65 Lumen zu den hellsten Lampen dieser Klasse zählen lässt. Im Lieferumfang befindet sich ein Gummiband "Mask-strap", mit dem die Lampe an einer Taucherbrille befestigt werden kann, das aber auch gleichzeitig als Polstermanschette gegen Stöße dient. Es ist jedoch auch abknöpfbar.


Die UK 4AA D besitzt einen vorfokussierten Reflektor und kann daher nicht von Punkt- auf Flutlicht umgestellt werden. Das Einschalten erfolgt durch Drehen des Lampenkopfes im Gegenuhrzeigersinn. Dies ist durch die griffige Gummierung auch mit Arbeitshandschuhen kein Problem.


Das Lampengehäuse ist aus ABS-Kunststoff und macht einen äußerst stabilen Eindruck, erhältlich ist es in signalgelb oder schwarz. Durch einen O-Ring ist das Gehäuse bis zu 150 m wasserdicht. Das Einlegen der Batterien erfolgt nach Abdrehen des Lampenkopfes. Die Positionierung der Batterien erfordert etwas Übung, da diese übereinander durch das Kopfende des Lampenkörpers bugsiert werden müssen. Durch die mehrsprachige und sehr gut verständliche, ausführliche Gebrauchsanweisung gelingt dies doch recht schnell.

Das Zerlegen der UK 4AA D geht mühelos und ist durch wenige Einzelteile schnell erledigt. Das Gehäuse bleibt komplett, während der abschraubbare Lampenkopf noch in Reflektor und Kopf mit Schutzglasscheibe getrennt werden kann. Der Zusammenbau birgt ebenfalls keine Geheimnisse.

Ein Vorteil aller Feuerwehrlampen ist die Verwendung als Helmscheinwerfer. Durch entsprechende Helmhalterungen wird die Lampe sicher befestigt und leuchtet das Gesichtfeld des Trägers aus, ohne die Hände zu behindern. Dies ist besonders für Rettungsdienstler interessant, die einen eigenen Helm besitzen. Helmhalterungen für die UK 4AA D gibt es für jeden auf dem Markt befindlichen Helm. Die Lampe konnte am Testhelm (Schuberth F200) schnell in die Halterungen geschoben und ebenso wieder herausgenommen werden, saß jedoch fest und sicher.

Die Lichtleistung der UK 4AA ist mit 65 Lumen sehr gut, die Betriebsdauer beträgt zwischen vier und fünf Stunden. Der Lichtkegel ist jedoch nicht kreisrund, sondern oval geformt und zeigt in der Mitte deutliche Schatten und Lichtspitzen. Die effektive Ausleuchtungsfläche ist dadurch etwas unregelmäßig und relativ eng. Dennoch ist sie wahrnehmbar heller als die MagLite 4D und leuchtet ca. 100 Meter weit. Sollte das Xenon-Leuchtmittel durchbrennen, so muss eine komplette Einheit aus Lampe und Reflektor neu gekauft werden. Dies kostet zwischen 10,00 und 19,00 Euro, je nach Bezugsquelle.

Durch die  Beliebtheit innerhalb der Feuerwehren ist das Zubehör zahlreich. Auch die Gürteltaschen gibt es in mehreren Versionen, z.B. mit Aufnahme eines Multitools usw.

Wertungskasten
Positiv:
- sehr Robust
- wasserdicht bis 150 m
- sehr viel Zubehör erhältlich
Negativ:
- nicht nachfokussierbar
Zielgruppe:
Einsätzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, Taucher
Ranking:
4 von 5 Sternen

 


 

 

 

Walther Xenon Tactical


Das zweite Testobjekt ist etwas anderer Herkunft. Die Walther Xenon Tactical kommt ursprünglich aus dem Polizei- und Sicherheitsbereich und wird vom bekannten Unternehmen Carl Walther Arnsberg gefertigt. Sie ist den SureFire Produkten aus den USA nachempfunden, wie sie bei behördlichen Einsatzkräften ( z.B. SWAT-Teams) Verwendung finden. Diese Produkte stehen für höchste Lichtleistungen fernab handelsüblicher Taschenlampen bei größter Kompaktheit. Die Walther Xenon Tactical ist jedoch wesentlich günstiger zu erwerben als die Produkte von SureFire.

Zunächst ein Geheimtipp, wird die Walther Xenon Tactical unter Privatpersonen im Outdoorbereich zunehmend beliebter. Ihr herausragendstes Merkmal ist die Lichtleistung von ca. 85-90 Lumen, was mehr als dem doppelten Wert der MagLite 4D ( ! ) entspricht. Bei dieser enormen Leistung ist sie zudem mit 120 x 30,2 mm (L x B) noch kleiner als die UK 4AA D.

Die Taschenlampe besteht aus pulverbeschichteten Aluminium, wie es sonst in der Waffen- oder Flugzeugtechnik verwendet wird. Durch die Formgebung und die mattierte Oberfläche wirkt die kleine Taschenlampe sehr elegant. Erhältlich ist sie in den Farben Schwarz und Titan. Die Bedienung erfolgt über einen Momentlichtschalter am hinteren Ende oder durch eine halbe Drehung des hinteren Endes für Dauerlicht. Das Gehäuse kann komplett zerlegt werden: Lampenkopf mit Schutzglas und Reflektor, Xenonbirne, drehbares Endstück mit Momentlichtschalter. Letzterer arbeitet mit einer Feder, die bei unvorsichtiger Behandlung gerne ihren Platz verlässt und nur mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl wieder an Ihren Platz gebracht werden kann.

Die Walther nutzt als Leuchtmittel ebenfalls einen Xenonbrenner mit vorfokussiertem Reflektor. Dieser kann im Gegensatz zur UK - Lampe jedoch noch ähnlich einer MagLite nachfokussiert werden, sollte sich der Lichtkegel einmal verändern. Dies war in der Praxis jedoch nie nötig. 
Der günstige Kaufpreis von ca. 15,00 € wird jedoch schnell durch die teuren, zum Betrieb notwendigen Lithium- 3V -Batterien relativiert, vor allem durch die kurze Brenndauer von 50-60 Minuten. Die Lithiumbatterien können jedoch günstig im Internet beschafft werden.

Die Lichtleistung stimmt: Ein nahezu komplett schatten- und spitzenfreier Lichtkegel, wie man ihn sonst nur von LED-Lampen kennt, jedoch mit einer beachtlichen Fernwirkung.  Objekte in 100 m Entfernung konnten im Praxistest damit noch ohne Probleme identifiziert werden. Die effektive Ausleuchtung liegt bei ca. 140 m. Sollte das Xenonleuchtmittel ersetzt werden müssen, sind Xenonbirnen einzeln erhältlich (ca. 1,80 - 3,00 Euro). Anders als bei der UK 4AA D, muss der Reflektor nicht mit gekauft werden.

Die um ein vielfaches größere MagLite 4D erweist sich auch im Praxistest als die Lampe mit dem weitaus dunkleren und gelbstichigen Licht. Um die höchste Lichtleistung zu erzielen, muss die MagLite immer auf Punktlicht eingestellt werden, was bei Objekten in verschiedenen Entfernungen ständiges Nachregulieren erforderlich macht. Die Walther Xenon Tactical bietet auf sämtliche Entfernungen konstant höchste Leistung, was das Arbeiten in der Dunkelheit vereinfacht.

Das erhältliche Zubehör ist für den Rettungsdienst weitgehend uninteressant. Lediglich das Gürtelholster aus schwarzem Cordura mit innenliegender Schaumstoffpolsterung sollte dazugehören. Es wird mit einem Druckknopf verschlossen und bietet guten Halt am Gürtel. Es besitzt ein separates Batteriefach an der linken Seite, jedoch sollten Lithiumbatterien laut Herstellerangabe erst unmittelbar vor ihrem Gebrauch aus der Originalverpackung entnommen werden. Interessant sein mag auch ein Rotlichtfilter, der an der Lampe angebracht wird und die Nachtsehfähigkeit nicht einschränken soll, z.B. beim Kartenlesen in der Dunkelheit.

 

Wertungskasten
Positiv:
- hervorragende Lichtleistung
- günstiger Preis (ab 15 €)
- sehr kompakt
- ansprechend designd
Negativ:
- kurze Brenndauer
- günstige Batterien müssen übers Internet beschafft werden
Zielgruppe:
Behördliche Einsatzkräfte, Professionelle Anwender
Ranking:
4 von 5 Sternen

 

 

 

Anhang

 

Kurzinfo Ex - Schutz / Zoneneinteilung
Eigentlich haben Lampen oder Handscheinwerfer, die über keinen "Ex - Schutz" verfügen, nichts an Einsatzstellen, an denen mit zündfähigen Gasgemischen, Dämpfen oder Stäuben zu rechnen ist, nichts verloren. Dazu gehört genau genommen auch die Unfallstelle, an der Benzin auslaufen könnte. Und an dieser sind der Rettungsdienst und die Polizei meist sehr viel früher als die Feuerwehr. Doch eben Polizei und Rettungsdienst benutzen gerne die Produkte der Firma MagLite, die für diesen Zweck völlig ungeeignet ist. Diese Thematik wird durch die europaweit harmonisierte ATEX-Richtlinie geregelt.
Gefährdete Gebiete oder Einsatzstellen werden in Zonen aufgeteilt. Die Zone steht für den Gefahrenbereich, in dem das Gerät der entsprechenden Kategorie verwendet werden darf.

 

 Zone 0  Hier ist eine Zwei-Fehler-Toleranz vorgeschrieben. Das bedeutet, das zwei beliebige Fehler gleichzeitig auftreten dürfen, von dem Gerät jedoch keine Gefahr ausgeht.
Zone 1  Hier gibt es die Ein-Fehler-Toleranz. Das bedeutet, dass ein beliebiger Fehler auftreten kann, trotzdem aber keine Gefahr von ihm ausgeht.
Zone 2 Hier führt ein Fehler in dem betreffenden Gerät sofort zur Zündquelle.

 

Definition der physikalischen Einheiten

Candela Einheit der Lichtstärke. 1 cd ist die Lichtstärke in einer bestimmten Richtung einer Strahlungsquelle, die monochromatische Strahlung der Frequenz 540 Hz aussendet und deren Strahlstärke in dieser Richtung 1/683 W/sr beträgt.
Lumen Einheit des Lichtstroms. 1 lm ist die Lichtmenge, die eine Lichtquelle von der Lichtstärle 1 cd (Candela) sekundlich in den Raumwinkel mit dem Radius 1 ausstrahlt.

 


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Modifiziert © 2004 von Wolfgang Novak